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Ratgeber Autoaggression

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Was ist Autoaggression?

Unter Autoaggression versteht man eine Form der Aggression, die sich gegen die eigene Person bzw. gegen den eigenen Körper richtet. Man spricht auch von selbst verletzendem Verhalten. Die meisten Betroffenen sind Jugendliche im Teenageralter. Die Patienten sind überwiegend Mädchen. Oft wird eine verdeckte Aggression gegen andere psychisch in eine Autoaggression umgewandelt. Es gibt verschiedene Arten von Selbstverletzung. Die meisten Menschen mit Autoaggression ritzen bzw. schneiden sich. Es gibt aber auch die Selbstverletzung z. B. durch schädigende Substanzen, die man sich zuführt.

Die Therapie einer Autoaggression beginnt mit der Versorgung der Wunden und anderen körperlichen Erkrankungen, die durch die Selbstverletzung entstanden sind. Eine eventuelle Suizidgefahr muss erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Die Traumatherapie ist oft sinnvoll, weil mehr als 60 % aller Betroffenen unter Traumata leiden. Die Verhaltenstherapie soll das Verhalten des Betroffenen verändern. Es werden mithilfe des Psychotherapeuten Verhaltensweisen erlernt, die als Alternative zur Selbstschädigung dienen sollten. In der systemischen Therapie werden die Beziehungen und Beziehungsgeflechte zu den Bezugspersonen (Eltern, Geschwister, Verwandte) betrachtet. Die Autoaggression gilt hier als Konsequenz von Beziehungsmustern, die die Erkrankung auslösen und reproduzieren.

Mit einer Autoaggression können verschiedene Verhaltensweisen einhergehen, wie etwa Magersucht, Bulimie, Missbrauch von Rausch erzeugenden Substanzen, Esssucht oder das Verletzen der Haut durch Schneiden, Ritzen, Verbrennen etc. Die meisten Betroffenen sind Jugendliche, die mit den Veränderungen des Körpers, der Psyche und des sozialen Lebens Probleme haben. Jugendliche mit impulsivem Temperament haben besonders häufig die Neigung zur Autoaggression. Viele der Jugendlichen haben schlechte Erfahrungen gemacht, z. B. im familiären Umfeld. Auch Gewalterfahrungen und sexueller Missbrauch sind oft ursächlich für die Entstehung einer Autoaggression. Die möglichen Wirkungsweisen dieser Selbstverletzung sind nicht bei allen Patienten gleich gewichtet, sondern unterschiedlich ausgeprägt.

Zur Diagnose einer Autoaggression gibt es verschiedene standardisierte Fragebögen, die z. B. nach den Formen der Selbstverletzung fragen, nach der Häufigkeit, nach Missbrauch von Alkohol, Drogen etc. Interviews können dem Arzt Einblicke in den individuellen Verlauf der Erkrankung geben. Hier werden vor allem die Intention und die Funktion der Autoaggression unterschieden. Eine Anamnese, also eine ausführliche Patientenbefragung ist erforderlich. Auch muss der Körper des Betroffenen untersucht werden, um festzustellen, in welchem Bereich bzw. welchen Bereichen des Körpers die Selbstverletzungen zu finden sind. Ferner muss zur Diagnose einer Autoaggression gefragt werden, ob Gewalterfahrungen, Mobbing in der Schule oder andere Probleme im sozialen, schulischen oder familiären Bereich vorliegen.

Was ist Autoaggression?

Unter Autoaggression versteht man Selbstverletzung. Es handelt sich also um eine Aggression, die sich nicht gegen andere richtet, sondern gegen die eigene Person (griechisch autos = selbst). Man spricht daher auch von Selbstaggression. Ebenso gebräuchlich für Autoaggression ist der deutsche Terminus selbst verletzendes Verhalten (SVV). Aggressor und Adressat sind bei der Autoaggression ein und dieselbe Person. Psychoanalytisch gedeutet ist die Autoaggression ein Abwehrverhalten. Häufig werden nicht akzeptable oder nicht offen eingestandene Aggressionen gegen andere in eine Autoaggression umgewandelt.

Formen von Autoaggression

In den häufigsten Fällen von Autoaggression kommt es zur Selbstverletzung der Haut durch Schnitte mit Messer, Scheren, Rasierklingen und anderen spitzen und scharfen Gegenständen. Ebenfalls möglich sind:

  • Verbrennungen mit Feuerzeugen oder glühenden Zigaretten
  • Verbrühungen mit erhitztem Wasser
  • Verätzungen mit chemischen Substanzen
  • Manipulation von bereits vorhandenen Wunden
  • Quetschen und Hiebe auf die Haut
  • Kratzwunden
  • Seltener: selbst zugefügte Knochenbrüche, Verschlucken von Gegenständen und Substanzen, die unverdaulich sind

Viele Gegenstände können zur Beibringung von Wunden herangezogen werden.

Einteilung der Formen von Autoaggression

Die Autoaggression oder Selbstverletzung erscheint in unterschiedlichen Ausprägungen:

Klassifizierung der Erkrankung Autoaggression … Kriterien, Beispiele
… nach der Art der autoaggressiven Handlung z. B. beißen, schneiden, kratzen, verbrennen, verbrühen, Konsum schädigender Stoffe
… nach dem betroffenen Körperbereich z. B. linker Unterarm, rechtes Bein, Kopf, innerlich
… nach der Dauer und/oder Häufigkeit des Verhaltens der Autoaggression Zeitspanne des Verhaltens? Wie häufig wiederholt es sich? Werden die Zeitabstände kleiner?
… nach der Schwere der Verletzungen Anzahl der Verletzungen? Typ der Verletzung z. B. eine oberflächliche Wunde oder eine Wunde, die genäht werden muss? Welche Versorgung der Wunde oder Verletzung ist erforderlich?
… nach der psychischen Verfassung der von Autoaggression Betroffenen Liegt der Grund für die Autoaggression in einer psychischen Erkrankung? (z. B. Depression, Verwirrung, Psychose, Wahnvorstellungen, Halluzinationen etc.) Liegt der Autoaggression eine geistige Behinderung, Autismus, Gehirnerkrankung etc. zugrunde?

Bei den meisten der Fälle von Autoaggression liegt keine der in der Tabelle genannten psychischen/geistigen Erkrankungen vor. Es handelt sich bei den Betroffenen in der Regel im Mädchen im Teenageralter. Etwa 70 % der Betroffenen schneiden sich in die Haut. Man spricht hier auch umgangssprachlich bzw. im Jugendjargon der Patienten von „Cutten“ oder „Ritzen“. Diese Selbstverletzung wird als direkt, konkret und unmittelbar eingeschätzt. Meist liegen keine direkten Selbstmordabsichten vor.

Fedor Singer

 

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